Im Rausch der Stärke

Manchmal kann es schwierig sein, mit einem starken Blatt einen kühlen Kopf zu bewahren. Menschlich ja völlig verständlich – vielleicht sitzt man den ganzen Abend mit eher mäßigen Karten da, und dann kommt endlich ein ordentlich starkes Blatt. Und die Schwierigkeit besteht dann oft darin, nicht in eine Mega-Euphorie zu verfallen und dann trotz toller Karten ein Negativscore einzufahren.

Ein typisches Beispiel aus einem Abendturnier im BC Wien:

Bildschirmfoto 2013-10-29 um 10.28.29Versetzen Sie sich in die Lage des Ostspielers: Schöne 17 Punkte, viele Kontrollen und – Wunder oh Wunder – der Partner eröffnet mit 1 Treff. Sie sagen 1 Karo und – es wird immer schöner – vom Partner kommt nun 1 Herz, ein Fit ist gefunden und es ist verständlich, dass nun heftige Schlemmgelüste zu verspüren sind.

Aber betrachten wir die Sache doch einmal ganz nüchtern: Der Partner hat 12 Punkte versprochen, Ost hat 17 Figurenpunkte + 2 Verteilungspunkte. Das sind zusammen 31 Punkte, also ganz klar Kleinschlemmzone (wenn ein Farbfit vorhanden ist, mit 2 rundverteilten Blättern ohne lange Farben braucht man ca. 33 Punkte, damit ein Schlemm eine gute Erfüllungschance hat!).

Aber: Ist das Single Treff wirklich gut? Mag sein, wenn der Partner 4 kleine Treffkarten hat, oder das Treff Ass und ein paar kleine. Wenn der Partner aber andere Treff-Figuren hat, dann ist das Single wie man so schön auf  Wienerisch sagt “zum Krennreiben”. Im Bridge-Fachchinesisch spricht man von einer Wertverdopplung – d.h. entweder die Kürze oder die Figuren in dieser Farbe hätte man sich schenken können. Und da man in dieser Farbe zuviel hat, fehlt’s dann halt in einer anderen Farbe, und die Erfüllungschancen des Schlemms schwinden…

Die Lösung: Ost setzt das Lizit mit 4 Treff fort. Das ist ein Splintergebot, d.h. es bestätigt die letztgenannte Farbe des Partners als Atoutfarbe, zeigt ein Single in der Sprungfarbe und Schlemminteresse. Der Partner soll nun,  wenn er “verlorene” Werte in der Splinterfarbe hat, einfach in die Atoutfarbe zurückgehen, wenn er keine verlorenen Werte hat, gibt er Cuebids ab oder fragt  nach Assen.

In diesem Fall hat West den unnötigen Treff König. Das heißt, von seiner 13-Punkte-Eröffnung sind gerade einmal 10 brauchbare übrig geblieben. Er sagt daher “nur” 4 Herz und wenn Ost jetzt schweren Herzens passt, verdient er damit 19 von 26 Matchpunkten oder satte 73%.

Natürlich könnte man den Schlemm mit offenen Karten erfüllen, indem man den Herz Buben auflegt und laufen lässt und dann noch den Herz Zehner herausschneidet. Aber warum sollte man auf diese exotische Chance spielen und nicht einfach auf die Double Herz Dame?

Und wenn man schon einmal diese Inspiration hat (z.B. weil der Gegner seine Karten hergezeigt hat), dann würde man für 12 Stiche (480) sowieso schon 24 Matchpunkte (= 92%) bekommen…

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