Top oder Flop

Nach einer ambitionierten Cuebidsequenz finden Sie sich in 6 Karo und bekommen mit Treff König einen unangenehmen Angriff. Bei jedem anderen Angriff hätten Sie Zeit genug gehabt, die Pik zu entwickeln, um darauf dann Ihre Treff-Verlierer loszuwerden. Sehen Sie auch in dieser Situation noch eine Chance, die Partie zu erfüllen?

Bildschirmfoto 2014-01-30 um 08.06.55

 

Ausatoutieren und Pik spielen ist sicherlich keine Option, es sei denn, Sie verfügen über so ausgezeichnete hypnotische Fähigkeiten, dass Sie dem Gegner suggerieren können, dass er seinen Treff-Stich nicht abzieht, wenn er mit Herz bei Stich ist. Aber darauf würde ich mich lieber nicht verlassen…

Wenn Sie die Herz-Position aber optimal ausnützen, gibt es einen ganz “legalen” Weg zur Erfüllung des Kontrakts: Sie stechen den Angriff, gehen mit Karo 10 zum Tisch und spielen der Herz-Impass. Der sitzt dankenswerterweise. Sie spielen das Herz Ass ab, gehen mit Karo zum Tisch und werfen nun auf den “überschüssigen” Herz König Ihren Pik Verlierer der Hand weg. Nun müssen Sie nur mehr einen Treff-Stich abgeben – die restlichen Treff-Karten der Hand schnappen Sie am Tisch und haben Ihren Schlemm nach Hause gebracht.

Wenn der Herz-Impass nicht gesessen wäre, hätten Sie 2 Faller hinnehmen müssen. Aber wenn es eine 50%-Chance gibt einen Schlemm zu gewinnen, der bei jeder anderen Spielweise sicher 1x fallen würde, dann ist dieses zusätzliche Risiko auf jeden Fall einzugehen…

Die gesamte Austeilung:

Bildschirmfoto 2014-01-30 um 08.06.32

 

Wie schallt das Echo von der Höh’…

In einem Clubturnier kam neulich folgende auf den ersten Blick recht unscheinbare Austeilung vor:

Bildschirmfoto 2014-01-22 um 16.56.56

 

Süd eröffnete mit 2 Karo “Mini-Multi”, das zeigt ein schwaches Blatt mit 5 oder 6 Karten in einer Oberfarbe.

West spielte sein Single in Herz aus, der Alleinspieler verlangte das Ass vom Tisch und spielte Atout zum Ass, setzte mit Atout fort und Ost war nun mit dem Pik König bei Stich.

Jetzt wird die Partie auf einmal zum Problem: Wenn Süd mit einer 5er Pik eröffnet hat, dann kann Ost seinem Partner noch einen Schnapper geben. Die Austeilung könnte ja beispielsweise so aussehen:

Bildschirmfoto 2014-01-22 um 16.58.21

Dieser Schnapper ist zwar nicht der Faller, aber er limitiert die Partie immerhin auf 10 Stiche.

Wenn die Austeilung allerdings so aussieht wie im Original, kann West mangels einer Atoutkarte eben nicht mehr schnappen, und nun geht auch noch das Karo Ass verloren, was für das Ost-West-Paar sicherlich keinen guten Paarturnier-Score ergeben wird. Wenn West kein About mehr hat, muss Ost also sofort Karo spielen.

Experten haben für solche Situationen eine Lösung parat, um nicht erraten zu müssen, ob es noch einen Schnapper gibt, oder nicht.  Diese Lösung heißt “About-Echo” und funktioniert wie folgt:

In der Atoutfarbe wird ja normalerweise nicht markiert, sondern einfach die kleinste Karte zugegeben, um dem Gegner bei der Lösung der Atoutfarbe nicht behilflich zu sein. Ein Abweichen von dieser Abfolge – also ein Hoch-niedrig-Signal in Atout (= About-Echo), zeigt ein weiteres Atout und die Möglichkeit, einen Schnapper zu machen. In der Diagrammsituation 1 hätte West also erst Pik 8, dann Pik 9 gespielt, Ost hätte gewusst, dass sein Partner kein Atout mehr besitzt und auf Karo gewechselt.

In Situation 2 hätte West erst Pik 8, dann Pik 2 gespielt. Ost “sieht” ein drittes About bei seinem Partner und lässt ihn schnappen.

In beiden Fällen erzielen die Gegenspieler die maximale Stichanzahl, die für ihre Seite möglich ist.

Tipps 4 Tops (1)

Am 15.1. gab es zum ersten Mal “Tipps 4 Tops” im BC Wien, Reischachstraße 3. Einmal im Monat darf ich bei diesem Event einen österreichischen Spitzenspieler begrüßen, der mit mir einige interessante Partien des Abendturniers analysiert und den Turnierspielern, die sich nach dem Turnier noch ca. 1 Stunde Zeit nehmen, Tipps zur Verbesserung ihres Spiels gibt.

Den Beginn machte Qumars Jadali, der mit seiner charmanten und unterhaltsamen Art alle anwesenden Teilnehmer in seinen Bann ziehen konnte. Unter den besprochenen Partien fand sich z.B. diese interessante Austeilung:

Bildschirmfoto 2014-01-17 um 15.14.34

 

In dieser Austeilung ist West Teiler und passt, Nord eröffnet mit 1 Karo und Ost muss nun einen Lizitplan entwickeln, der sein Blatt gut beschreibt. Welches Gebot zeigt das Blatt am besten. Dass es keine ideale Lösung gibt, zeigt, dass die anwesenden Spitzenspieler sich nur in einem Punkt einig waren: Da es kein ideales Gebot gibt, muss man versuchen, das Blatt mit der “geringst möglichen Lüge” zu beschreiben.

Und was nun diese “geringst mögliche Lüge” ist, darüber gingen die Meinungen auseinander:

1 NT? beschreibt die Stärke sehr gut, aber natürlich ist die Karo Dame kein idealer Stopper.

1 Herz? schlechte Farbqualität. Und die Punkte sind damit auch noch nicht beschrieben.

1 Pik? Falls der Partner ausspielen muss, wird er unsere stärkste Farbe attackieren. Allerdings haben wir damit unsere längste Farbe noch nicht gezeigt.

“Q” plädierte für kontra. Falls der Partner 2 Treff lizitiert, müsse man eben die Zähne zusammenbeissen und 2 Herz sagen, was wenigstens die Punktestärke korrekt zeigt, wenn auch die Herzqualität für diese Sequenz äußerst dürftig ist.

Auf die abschließende Frage, welche Tipps er für den durchschnittlichen Turnierspieler auf Lager habe, um sich zu verbessern, rückte “Q” mit 2 Geheimnissen aus seiner Trickkiste heraus:

1. HALTE INNE! Vorsicht vor “automatischen Karten”. Wir spielen alle oft viel zu schnell, decken, ducken oder schnappen automatisch, ohne über mögliche Alternativen nachzudenken. Ein paar Sekunden Innehalten und die möglichen Spielzüge überlegen kann oft den entscheidenden Unterschied machen.

2. NICHT SCHEIBCHENWEISE LIZITIEREN! In vielen Lizitsituationen, in denen man mit dem Partner einen Fit gefunden hat, ist es von großem Vorteil, sofort auf den Bietlevel zu springen, den man mit diesem Blatt anstreben will. Wenn die eigene Seite einen Fit hat, dann hat wahrscheinlich auch die Gegenseite einen Fit – und wenn der Gegner diesen Fit noch nicht gefunden hat, dann kann er uns auch nicht mehr so leicht aus unserem Kontrakt herausbringen. Mit Hilfe des “LAW OF TOTAL TRICKS”, lässt sich dieser korrekte Bietlevel oft leicht bestimmen – und jetzt hat der Gegner das Problem, ob und wie er noch auf sehr hohem Level in das Limit einsteigen kann…

Die nächsten “Tipps 4 Tops” finden am 19.2. nach dem Abendturnier in der Reischachstraße statt, und wir freuen uns alle auf Johann Zeugner, der uns auch sicherlich mit vielen interessanten Aussagen und Tipps beschenken wird…

Eene, meene, muh… (3)

In der heutigen Partie muss noch einmal gezählt werden. Neben den Stichen und Punkten des Gegners sind es natürlich auch die Verteilungen in den einzelnen Farben, über die Buch geführt werden muss. Das ist anstrengend und erfordert eine Menge Konzentration – aber es gibt viele Partien, die nicht lösbar sind, wenn man sich keine Gedanken über die Kartenverteilung macht.

Beispielsweise in dieser Situation:

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 08.58.16

 

Das Gegenspiel beginnt ausgesprochen vielversprechend: Der Partner spielt das Karo Ass aus und setzt nach Ihrer Zumarke mit dem 9er mit dem Karo König fort. Als nächstes folgt Karo 6, Sie schnappen – und auch dieser Stich gehört Ihrer Seite.

Was spielen Sie zum 4. Stich?

 

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 08.58.45

 

Ich hoffe, Sie sind nicht in die Falle hineingetappt, mit dem Treff Ass den Faller abziehen zu wollen. Süd schnappt und hat mit 2 Pik-Schnappern am Tisch und dem Treff König keinerlei Probleme mit der Erfüllung seines Kontraktes.

Ost hätte wissen müssen, dass Süd keine Treff-Karte hat, denn er hat im Lizit bereits 5 Pik und 5 Herz gezeigt und die Karo 3 mal bedient. Und da auch er nur 13 Karten hat…

Um den Kontrakt zu schlagen, hätte sich Ost nicht nur diese Verteilung ausrechnen, sondern auch darüber nachdenken müssen, welches Spiel für den Alleinspieler am unangenehmsten ist. Der Tisch kann Pik-Verlierer der Südhand schnappen. Und so wird der Alleinspieler seinen Kontrakt auch anlegen. Wenn Ost allerdings mit Atout fortsetzt, kann die Pik nur 2 mal geschnappt werden. Die 5. Pik-Karte des Alleinspielers wird nicht hoch – und damit gibt es auch keinen 10. Stich für seinen Kontrakt.

 

Eene, meene, muh (2)

In der vergangenen Woche haben wir gesehen, dass es oft wichtig ist, die potenziellen Stiche des Alleinspielers zu zählen, um die korrekten Schlüsse für das Gegenspiel ziehen zu können.

Das reicht aber bei weitem noch nicht aus. Heute gibt es eine Partie, wo etwas anderes gezählt werden muss:

Versetzen Sie sich in die Lage des Ost-Spielers:

Bildschirmfoto 2014-01-02 um 10.01.24

West spielt gegen den 4 Pik – Kontrakt von Süd das Herz Ass aus. Sie markieren mit Herz 9 zu, der Partner setzt mit dem Herz K fort und spielt eine weitere Herz zu Ihrer Q. Da Süd dankenswerterweise alle 3 Herz-Runden bedient hat, haben Sie nun schon 3 Stiche im Sack. Aber wo soll der 4. Stich herkommen.

Überlegen wir uns doch einmal, wer in dieser Partie wieviele Punkte haben muss. Süd ist auf das 1 NT-Wiedergebot des Eröffners (12-14) in die Manche gesprungen – und die einzigen Punkte, die wir jetzt noch nicht gesehen haben (in den Stichen, am Tisch und in unserer eigenen Hand), sind Pik Ass und König, und das Karo Ass. Diese Karten müssen wohl bei Süd sitzen, wenn das Lizit Sinn ergeben soll. Weiters wissen wir, dass Süd maximal 4 Karten in den Unterfarben haben kann (denn eine 6er Pik muss er für sein Lizit sicher haben und 3 Herz-Karten haben wir auch schon gesehen).

Wenn man keine Stiche in den Seitenfarben mehr machen kann, dann muss man sich um einen Stich in der Atoutfarbe bemühen. Und den hilft man am besten auf die Sprünge, indem man jetzt die 13. Herz-Karte spielt. Versuchen Sie nun Ihr Glück als Alleinspieler: Sie können spielen, wie Sie wollen – Sie müssen nun einen Pik-Stich abgeben, weil Ihnen der Pik 8er von West eine wertvolle Figur herausschlägt (uppercut) und dadurch Osts JT9 zu einem unvermeidbaren Verluststich wird.

Die gesamte Austeilung:

Bildschirmfoto 2014-01-02 um 10.00.23