Schnelle, schnelle…

Immer wieder ist es wichtig, das Handspiel von Beginn weg sorgfältig zu planen, denn das “automatische” Spiel, führt oft nicht zum Erfolg.

So auch in dieser Partie:

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Ost bekommt Treff Q als Angriff. Wenn er jetzt seinem ersten Impuls folgt und About spielt, kann er die Partie nicht mehr gewinnen, denn die Gegenspieler setzen einfach mit Treff fort und nun ist der Verlust von 2 Herzstichen, 1 Treffstich und dem Karo Ass unvermeidbar.

Der Alleinspieler hätte seine Partie relativ leicht gewinnen können, wenn er einen Plan gemacht hätte: Pik Ass und Pik König müssen abgezogen werden, dann spielt man Karo. Wenn der Gegner nun mit dem Karo Ass sticht und Treff weiterspielt, kann der Tisch mit einer weiteren Karo erreicht werden und auf die Pik Q wird der Treff-Verlierer entsorgt.

 

London calling…

In eingespielten Partnerschaften (und als solche würde ich erst jene bezeichnen, die mindestens ein Jahr mindestens einmal pro Woche miteinander gespielt haben – und danach auch noch die besprechenswerten Situationen, die jedes Turnier mit sich bringt, analysiert haben) sind detaillierte Übereinkünfte möglich, mit denen man gegenüber weniger eingespielten Paaren mit technisch gleicher Spielstärke große Vorteile herausholen kann.

Ein Beispiel dafür, was da alles möglich ist. Die meisten Turnierspieler spielen auf künstliche Gebote des Gegners Ausspielkontras. Wenn der Gegner z.B. auf die Assfrage 5 Karo antwortet, schlägt Kontra dem Partner vor, Karo zu attackieren.

Wie sieht die Sache aber aus, wenn der Gegner mit einem Splintergebot eine Kürze in der “gesplinterten” Farbe zeigt? In dieser Situation macht doch ein Ausspielkontra auf diese Farbe wenig Sinn, weil es in dieser Farbe ja sowieso nur einen einzigen Stich zu erben gibt.

Eine mögliche “Expertenausmachung” für diese Situation: Kontra verlangt das Ausspiel der nächsthöheren Farbe.

Ein Beispiel dafür, wie gnadenlos dieses Treatment zuschlagen kann:

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West eröffnet mit 1 Herz, Nord überruft mit 1 Pik und Ost zeigt mit 4 Treff guten Herzanschluss, eigene Primärstärke und ein Single in Treff. Süd kontriert nun, um Karo-Angriff zu verlangen. Durch die Atoutkontrolle weiß er, dass er rechtzeitig zu Stich kommen wird, um seinen Partner in weiterer Folge mit Pik in Stich zu bringen und Karo-Schnapper machen zu können. Und genau so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Die Partie, die bei einem natürlichen Angriff von Pik Ass und Pik König leicht erfüllt worden wäre,  endet mit 2 Fallern.

Nebel und Glatteis

Sie spielen ein Teamturnier, und halten folgende unspektakuläre Hand:

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Ihr rechter Gegner (Ost) passt, das tun Sie natürlich auch und links von Ihnen eröffnet West mit 1 Herz. Es folgt Kontra von Ihrem Partner und Ost sagt dankenswerterweise 1 NT. Nach pass von West folgt ein neuerliches Kontra Ihres Partners und pass von Ost. Was nun?

Irgendetwas in dieser Partie ist seltsam. West hat nur eine 5er Herz, sonst hätte er sie doch wiederholt. Ost hat maximal double Herz, sonst hätte er seinen Partner gehoben. Ihr Partner muss also auch double Herz haben – kein Single oder Chicane, was bedeutet, dass sein zweites Kontra nicht auf Verteilungs- sondern auf Punktestärke beruhen muss. Da Sie ja ein völlig wertloses Blatt haben können – und die Wahrscheinlichkeit dafür sogar sehr groß ist, immerhin haben beide Gegner lizitiert, würde ich von einer Stärke von etwa 18 Punkten ausgehen, möglicherweise vielleicht sogar etwas mehr…

Und jetzt haben Sie aber nicht 0 bis maximal 2 Punkte, wie eigentlich zu erwarten wäre (12 + 18 + 8), sondern 4. Sehr eigenartig…

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Das ist die gesamte Austeilung. Wie Sie sehen hat West eine “Dritthand-Eröffnung” mit nur 7 Punkten gemacht. Wenn Sie ihm auf die Schliche gekommen sind und dem 2. Kontra Ihres Partners vertraut haben, gibt es jetzt reiche Beute. Wenn Sie – was sicher der automatische 1. Impuls ist – 2 Treff gesagt haben, ist Ihnen ein fetter Brocken entgangen.

Mein genereller Tipp zum umstrittenen Thema “schwache Dritthand-Eröffnungen”: Spielen Sie diesen Unsinn nicht. Sie werden damit kaum je einen Gegner in die Irre führen – es sei denn, er spielt so schwach, dass Sie auch ohne Huckmuck mit einem guten Score rechnen können. Es geht nicht nur darum, dass Sie mit schwachen Eröffnungen in 3. Hand ab und zu in ein Strafkontra hineinlaufen können, sondern Ihr Partner wird von nun an jede Dritthand-Eröffnung mit Angst und Schrecken betrachten und nicht wissen, ob Sie diesmal etwas haben oder nicht. Bridge ist auch so schon schwierig genug – vermeiden Sie zusätzlichen Nebel und Glatteis…