Happy Birthday

Am vergangenen Samstag fand im Ibis Hotel am Mariahilfer Gürtel ein Geburtstagsturnier zum 15-jährigen Bestehen des Bridgeclubs “Bridge mit Freunden” statt.

Bei allgemein rückläufigen Teilnehmerzahlen konnte dieses Turnier eine sensationelle Teilnehmeranzahl von 76 Paaren verzeichnen. Vielleicht sollte man sich von den Veranstaltern einiges abschauen, um solche tolle Erfolge nachzumachen: Der Teilnehmer an diesem Turnier wurde von Anfang bis (nach) Ende reichlich verwöhnt und umsorgt: Ein Sektempfang, ein fantastisches Kuchenbuffet in der Pause zwischen den beiden Durchgängen, ein großartiges Buffet nach der Preisverteilung, das zum nachträglichen Zusammensitzen und Partien Beplaudern animierte. Dazu eine souveräne Turnierleitung (Johann Zeugner), eine pfeilschnelle Ausrechnung, eine nette Preisverteilung (nicht das übliche missmutige Verteilen einiger Kuverts) mit respektablen Geldpreisen – insgesamt hatte man das Gefühl, für sein Nenngeld wirklich eine tolle Gegenleistung bekommen zu haben. Und dabei spielt es dann keine Rolle, ob dieses Nenngeld einen Euro mehr oder weniger beträgt. Also von dieser Stelle mein Aufruf an alle Veranstalter: ein gut gemachtes Rahmenprogramm und ein professionelles Turniersetting zieht Spieler an. Natürlich muss man dafür vielleicht den einen oder anderen Euro in die Hand nehmen und kann nicht auf unmittelbare Gewinnoptimierung spekulieren. Aber über einige Jahre gerechnet dürfte sich diese Strategie meiner Ansicht nach mehr als rechnen…

Ein interessantes Motiv begegnete uns in folgender Austeilung, in der meine Partnerin, Susi Zach, den Kontrakt von 6 NT zu spielen hatte:

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Sie bekommen in dieser Partie den Herz J als Angriff, stechen mit dem K am Tisch und deblockieren das Treff A. Nun gehen Sie mit Herz in die Hand, um die Treff hochzuspielen. Ost kommt mit dem K zu Stich und spielt nun unangenehmerweise Karo – das heißt Sie müssen jetzt entscheiden, ob Sie auf den Karo-Impass setzen, oder mit dem Ass stechen und Ihre restlichen Stiche aus der Pik holen wollen.

Die Lösung: ein 3-3-Stand in einer Farbe hat nur eine Wahrscheinlichkeit von ca. 1/3. Der Impass bietet eine Chance von 50%. Setzen Sie daher auf das schnellere Pferd und spielen Sie den Impass.

Beachten Sie auch, dass es nicht möglich gewesen wäre, die Pik vor dem Entwickeln der Treff zu testen, sonst hat Ost schon einen Pik-Stich, wenn er mit dem Treff K zu Stich kommt.

 

Allzu straff gespannt zerspringt der Bogen

In der letzten Position ist es immer wieder ratsam, den Mut zusammenzunehmen und auch mit schwächeren Blättern zu lizitieren, wenn der Gegner auf niedriger Stufe stehengeblieben ist.

Beispielsweise sind die Punktezonen für 1 in Farbe des Gegners – pass – pass bereits mit ca. 8 Punkten für ein Gebot in Farbe oder ein Aufmachkontra anzusetzen und das Gebot von 1 NT in dieser Situation sollte etwa 10 – 14 Punkte versprechen.

Diese aggressive Taktik kommt dadurch zustande, dass der Eröffner 12 Punkte haben kann, sein Partner hat unter 6 Punkten – es ist also noch genug Raum für ein gutes Blatt des Partners, der mit vielen punktestarken Blättern in der direkten Position nicht einsteigen kann, weil sein Blatt nicht die richtige Verteilung für ein Informationskontra oder nicht die erforderliche Farbqualität für einen Farbüberruf hat.

Anders ist die Situation allerdings, wenn der Gegner mit 1 NT eröffnet hat. Werfen Sie einen Blick auf folgende Austeilung:

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Wenn Ost hier nach 1 NT – p – p – 2 Herz lizitiert, läuft er dem Gegner furchtbar ins Messer: Süd passt, West natürlich auch und Nord findet jetzt mit seinem Maximum-Pass auf die 1 NT-Eröffnung seines Partners, Kürze in der Gegnerfarbe und Spielbereitschaft in allen anderen Farben ein Aufmachkontra, das Süd mit der guten 4er Herz in ein Strafkontra verwandelt. Wenn sich der Nebel verzieht, endet Osts Ausflug bei 3 Fallen oder -500…

Der Unterschied zu der “Balancing”-Situation nach 1 in Farbe besteht bei der NT-Eröffnung darin, dass a) der Eröffner stärker ist und b) der Antworter auch mit vielen stärkeren Blättern (bis 7 Punkten) passt.

Daher gilt nach 1 NT in letzter Position: nur mit Farben ins Lizit gehen, die Sie auch in 2. Position ohne großes Bauchweh angesagt hätten…

Schnelle, schnelle…

Immer wieder ist es wichtig, das Handspiel von Beginn weg sorgfältig zu planen, denn das “automatische” Spiel, führt oft nicht zum Erfolg.

So auch in dieser Partie:

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Ost bekommt Treff Q als Angriff. Wenn er jetzt seinem ersten Impuls folgt und About spielt, kann er die Partie nicht mehr gewinnen, denn die Gegenspieler setzen einfach mit Treff fort und nun ist der Verlust von 2 Herzstichen, 1 Treffstich und dem Karo Ass unvermeidbar.

Der Alleinspieler hätte seine Partie relativ leicht gewinnen können, wenn er einen Plan gemacht hätte: Pik Ass und Pik König müssen abgezogen werden, dann spielt man Karo. Wenn der Gegner nun mit dem Karo Ass sticht und Treff weiterspielt, kann der Tisch mit einer weiteren Karo erreicht werden und auf die Pik Q wird der Treff-Verlierer entsorgt.

 

London calling…

In eingespielten Partnerschaften (und als solche würde ich erst jene bezeichnen, die mindestens ein Jahr mindestens einmal pro Woche miteinander gespielt haben – und danach auch noch die besprechenswerten Situationen, die jedes Turnier mit sich bringt, analysiert haben) sind detaillierte Übereinkünfte möglich, mit denen man gegenüber weniger eingespielten Paaren mit technisch gleicher Spielstärke große Vorteile herausholen kann.

Ein Beispiel dafür, was da alles möglich ist. Die meisten Turnierspieler spielen auf künstliche Gebote des Gegners Ausspielkontras. Wenn der Gegner z.B. auf die Assfrage 5 Karo antwortet, schlägt Kontra dem Partner vor, Karo zu attackieren.

Wie sieht die Sache aber aus, wenn der Gegner mit einem Splintergebot eine Kürze in der “gesplinterten” Farbe zeigt? In dieser Situation macht doch ein Ausspielkontra auf diese Farbe wenig Sinn, weil es in dieser Farbe ja sowieso nur einen einzigen Stich zu erben gibt.

Eine mögliche “Expertenausmachung” für diese Situation: Kontra verlangt das Ausspiel der nächsthöheren Farbe.

Ein Beispiel dafür, wie gnadenlos dieses Treatment zuschlagen kann:

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West eröffnet mit 1 Herz, Nord überruft mit 1 Pik und Ost zeigt mit 4 Treff guten Herzanschluss, eigene Primärstärke und ein Single in Treff. Süd kontriert nun, um Karo-Angriff zu verlangen. Durch die Atoutkontrolle weiß er, dass er rechtzeitig zu Stich kommen wird, um seinen Partner in weiterer Folge mit Pik in Stich zu bringen und Karo-Schnapper machen zu können. Und genau so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Die Partie, die bei einem natürlichen Angriff von Pik Ass und Pik König leicht erfüllt worden wäre,  endet mit 2 Fallern.

Nebel und Glatteis

Sie spielen ein Teamturnier, und halten folgende unspektakuläre Hand:

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Ihr rechter Gegner (Ost) passt, das tun Sie natürlich auch und links von Ihnen eröffnet West mit 1 Herz. Es folgt Kontra von Ihrem Partner und Ost sagt dankenswerterweise 1 NT. Nach pass von West folgt ein neuerliches Kontra Ihres Partners und pass von Ost. Was nun?

Irgendetwas in dieser Partie ist seltsam. West hat nur eine 5er Herz, sonst hätte er sie doch wiederholt. Ost hat maximal double Herz, sonst hätte er seinen Partner gehoben. Ihr Partner muss also auch double Herz haben – kein Single oder Chicane, was bedeutet, dass sein zweites Kontra nicht auf Verteilungs- sondern auf Punktestärke beruhen muss. Da Sie ja ein völlig wertloses Blatt haben können – und die Wahrscheinlichkeit dafür sogar sehr groß ist, immerhin haben beide Gegner lizitiert, würde ich von einer Stärke von etwa 18 Punkten ausgehen, möglicherweise vielleicht sogar etwas mehr…

Und jetzt haben Sie aber nicht 0 bis maximal 2 Punkte, wie eigentlich zu erwarten wäre (12 + 18 + 8), sondern 4. Sehr eigenartig…

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Das ist die gesamte Austeilung. Wie Sie sehen hat West eine “Dritthand-Eröffnung” mit nur 7 Punkten gemacht. Wenn Sie ihm auf die Schliche gekommen sind und dem 2. Kontra Ihres Partners vertraut haben, gibt es jetzt reiche Beute. Wenn Sie – was sicher der automatische 1. Impuls ist – 2 Treff gesagt haben, ist Ihnen ein fetter Brocken entgangen.

Mein genereller Tipp zum umstrittenen Thema “schwache Dritthand-Eröffnungen”: Spielen Sie diesen Unsinn nicht. Sie werden damit kaum je einen Gegner in die Irre führen – es sei denn, er spielt so schwach, dass Sie auch ohne Huckmuck mit einem guten Score rechnen können. Es geht nicht nur darum, dass Sie mit schwachen Eröffnungen in 3. Hand ab und zu in ein Strafkontra hineinlaufen können, sondern Ihr Partner wird von nun an jede Dritthand-Eröffnung mit Angst und Schrecken betrachten und nicht wissen, ob Sie diesmal etwas haben oder nicht. Bridge ist auch so schon schwierig genug – vermeiden Sie zusätzlichen Nebel und Glatteis…

Top oder Flop

Nach einer ambitionierten Cuebidsequenz finden Sie sich in 6 Karo und bekommen mit Treff König einen unangenehmen Angriff. Bei jedem anderen Angriff hätten Sie Zeit genug gehabt, die Pik zu entwickeln, um darauf dann Ihre Treff-Verlierer loszuwerden. Sehen Sie auch in dieser Situation noch eine Chance, die Partie zu erfüllen?

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Ausatoutieren und Pik spielen ist sicherlich keine Option, es sei denn, Sie verfügen über so ausgezeichnete hypnotische Fähigkeiten, dass Sie dem Gegner suggerieren können, dass er seinen Treff-Stich nicht abzieht, wenn er mit Herz bei Stich ist. Aber darauf würde ich mich lieber nicht verlassen…

Wenn Sie die Herz-Position aber optimal ausnützen, gibt es einen ganz “legalen” Weg zur Erfüllung des Kontrakts: Sie stechen den Angriff, gehen mit Karo 10 zum Tisch und spielen der Herz-Impass. Der sitzt dankenswerterweise. Sie spielen das Herz Ass ab, gehen mit Karo zum Tisch und werfen nun auf den “überschüssigen” Herz König Ihren Pik Verlierer der Hand weg. Nun müssen Sie nur mehr einen Treff-Stich abgeben – die restlichen Treff-Karten der Hand schnappen Sie am Tisch und haben Ihren Schlemm nach Hause gebracht.

Wenn der Herz-Impass nicht gesessen wäre, hätten Sie 2 Faller hinnehmen müssen. Aber wenn es eine 50%-Chance gibt einen Schlemm zu gewinnen, der bei jeder anderen Spielweise sicher 1x fallen würde, dann ist dieses zusätzliche Risiko auf jeden Fall einzugehen…

Die gesamte Austeilung:

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Wie schallt das Echo von der Höh’…

In einem Clubturnier kam neulich folgende auf den ersten Blick recht unscheinbare Austeilung vor:

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Süd eröffnete mit 2 Karo “Mini-Multi”, das zeigt ein schwaches Blatt mit 5 oder 6 Karten in einer Oberfarbe.

West spielte sein Single in Herz aus, der Alleinspieler verlangte das Ass vom Tisch und spielte Atout zum Ass, setzte mit Atout fort und Ost war nun mit dem Pik König bei Stich.

Jetzt wird die Partie auf einmal zum Problem: Wenn Süd mit einer 5er Pik eröffnet hat, dann kann Ost seinem Partner noch einen Schnapper geben. Die Austeilung könnte ja beispielsweise so aussehen:

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Dieser Schnapper ist zwar nicht der Faller, aber er limitiert die Partie immerhin auf 10 Stiche.

Wenn die Austeilung allerdings so aussieht wie im Original, kann West mangels einer Atoutkarte eben nicht mehr schnappen, und nun geht auch noch das Karo Ass verloren, was für das Ost-West-Paar sicherlich keinen guten Paarturnier-Score ergeben wird. Wenn West kein About mehr hat, muss Ost also sofort Karo spielen.

Experten haben für solche Situationen eine Lösung parat, um nicht erraten zu müssen, ob es noch einen Schnapper gibt, oder nicht.  Diese Lösung heißt “About-Echo” und funktioniert wie folgt:

In der Atoutfarbe wird ja normalerweise nicht markiert, sondern einfach die kleinste Karte zugegeben, um dem Gegner bei der Lösung der Atoutfarbe nicht behilflich zu sein. Ein Abweichen von dieser Abfolge – also ein Hoch-niedrig-Signal in Atout (= About-Echo), zeigt ein weiteres Atout und die Möglichkeit, einen Schnapper zu machen. In der Diagrammsituation 1 hätte West also erst Pik 8, dann Pik 9 gespielt, Ost hätte gewusst, dass sein Partner kein Atout mehr besitzt und auf Karo gewechselt.

In Situation 2 hätte West erst Pik 8, dann Pik 2 gespielt. Ost “sieht” ein drittes About bei seinem Partner und lässt ihn schnappen.

In beiden Fällen erzielen die Gegenspieler die maximale Stichanzahl, die für ihre Seite möglich ist.